Resümee
Was uns wichtig ist
Die Kongresshalle und das angrenzende Areal hätten in unseren Augen dem Thema Gewalt, Menschen- und Völkerrechte und der inspirierten, forschenden Suche nach einem weltweiten Frieden gewidmet werden sollen. Was aktuell realisiert wird, wird dem historischen Erbe nicht gerecht, dem bildungspolitischen Potenzial ebenso wenig.
Die Welt ist, seitdem die Stadt Nürnberg angefangen hat das Areal zu beplanen, eine andere geworden. Der allgemeine politische Rechtsruck, der Krieg in der Ukraine, die drohende Ausweitung der Eskalation auf Europa, der Konflikt im Gaza-Streifen, die Wiederwahl Trumps, … Das sind alles Dinge, die uns wachrütteln sollten. Die wir nicht banal hinnehmen sollten.
Wir brauchen eine breit aufgestellte politische Bildung. Wir brauchen ein Lernen wie wir gewaltfreie, gerechte Lösungen finden können, damit wir vor lauter Streiterei das eigentliche Thema nicht aus den Augen verlieren:
Frieden ist die Voraussetzung dafür, dass wir unsere ganze Kraft darauf verwenden können, dass der Planet Erde bewohnbar bleibt. Eine Alternative dazu haben wir nicht.
Nürnberg trägt in unseren Augen eine Verantwortung, die weit darüber hinausgeht, nur kommunale Probleme zu lösen. Das Areal der Kongresshalle hat eine weit größere Relevanz für die politische Bildung auf nationaler, ja globaler Ebene.
Die Kongresshalle hätte einen Schutzstatus erhalten sollen
Etwas, was sich keiner wirklich vorstellen konnte, rückt in greifbare Nähe. Die politisch Rechten erstarken massiv auf Bundes- und auf Länderebene. Was würde geschehen, wenn die AfD ein Mitbestimmungsrecht über die Kongresshalle im Stadtrat erhalten würde? Das ist etwas, was in jedem Fall verhindert werden sollte.
Eine mögliche Unterschutzstellung der Kongresshalle als UNESCO Weltkulturerbe wird durch die aktuellen baulichen Maßnahmen sehenden Auges ruiniert. Das Gebäude verliert aktuell das Authentische, wie es beim Saal 600 bereits geschehen ist (mehr dazu in der SZ vom 2. August 2024, Memorium Nürnberg. Historische Versäumnisse, von Olaf Przybilla). Trotz dieses unverantwortlichen Umgangs gelingt es der Stadt Nürnberg das Dokumentationszentrum für die NSU-Verbrechen an sich zu ziehen. Es ist ziemlich absurd. Spielen hier Seilschaften ihr Spiel?
Es sollte überlegt werden die Verantwortung für das gesamte Reichsparteitagsgelände, auch wegen der tatsächlich nationalen Bedeutung, aus der kommunalen Hand in die Entscheidungshoheit eins unabhängigen Gremiums auf Bundesebene zu übertragen. Ziel dieses Gremiums wäre es dann: Gegen den Rechtsextremismus zu wirken. Menschen zu ermöglichen aus den Fehlern der Geschichte zu lernen. Strukturen für einen weltweiten Frieden zu fördern.
In Anbetracht der aktuellen politischen Lage ist das in unseren Augen kein unerheblicher Gedanke. Einer Umfrage der Jewish Claims Conference zufolge, sinkt das Bewusstsein über die Verbrechen des NS-Regimes mehr und mehr. Gerade junge Menschen haben kaum noch Wissen über die Ausmaße der NS-Verbrechen. Die letzten Zeitzeugen werden uns in den nächsten Jahren verloren gehen...
Da wird es um so wichtiger das Reichsparteitagsgelände möglichst authentisch erlebbar zu lassen. Eine solche Begehung lässt sich durch nichts ersetzen.
Die zugesagten Fördergelder hätten neu sortiert werden sollen.
Für ein Zentrum für Menschen- und Völkerrechte, das gleichzeitig die Sanierungsarbeiten in der Kongresshalle mit finanziert. Und auch für ein Zentrum für Friedensforschung. Beides wird tatsächlich gebraucht und wäre hier vor Ort genau am richtigen Platz gewesen. Die Fördergelder für die Ermöglichungsräume hätten für ein wirklich freies Künstlerhaus investiert werden können. Die Forderungen für die Oper (Ersatzgebäude und Sanierung der eigentlichen Oper) sind viel zu hoch gegriffen. Es wäre ein großer und willkommener Akt der Solidarität unter Kunst- und Kulturschaffenden gewesen sich mit anderen Betroffenen der Brandschutzverordnungen zusammen zu tun und gemeinsam eine mobile und modulare Lösung zu finden.
Die Entscheidungstragenden der Stadt Nürnberg möchten gerne als transparent in ihrer Kommunikation wahrgenommen werden. In den Augen vieler Beobachtender sind sie das aber nicht. Vieles erscheint wie Augenwischerei und Schönrednerei. Wir fordern Klarheit und Offenheit, eine verbindliche und wahrheitsgemäße Beantwortung der offenen Fragen. Es geht um sehr hohe Beträge und eine bildungspolitisch weitreichende Entscheidung.
Die Kongresshalle wird – wenn nicht doch noch etwas Unvorhersehbares geschieht – salonfähig werden. Sie wird als schick und kulturell wertvoll präsentiert und auch so wahrgenommen. Ein sehr großer Fehler in unseren Augen. Unsere Gesellschaft wird dadurch nicht besser. Die gefährlich werden könnende Banalität im Menschen, wie Hannah Arendt sie beschrieben hat, wird dadurch nicht verringert, sie wird auch noch gefördert.
Wenn Sie über unser weiteres Vorgehen informiert werden möchten, oder einen Beitrag zu dieser Initiative leisten möchten, freuen wir uns sehr über Ihre Kontakt-Aufnahme per E-Mail!
Ihr Team der Initiative gegen die Banalisierung des Bösen
